Um die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit zu senken, hat der Staat ab dem 1. März 2017, dank der im Gesetz Nr. 7/2005 Slg. über den Konkurs und Restrukturierung verankerten rechtlichen Änderung, neue Insolvenzregeln eingeführt. Das Ziel ist es, denjenigen eine zweite Chance zu geben, die sich in einer „Schuldnerfalle“ befinden und selbst nicht rauskommen können.

Die Finanzkompetenz verbessert sich, aber wir müssen immer noch einen Kredit mittels einen anderen zurückzahlen. Das Problem entsteht, wenn die Höhe der Raten ein Drittel unseres Einkommens übersteigt. Komplikationen bringt mit sich auch der Verlust der Beschäftigung oder eine Krankheit, die das Ausüben des Berufs unmöglich macht. Die Privatinsolvenz ist einer der Wege, wie man aus einer unangenehmen Situation herauszukommen kann.

Wird ein Abwärtstrend erwartet?

Im Jahr 2018 ging die Anzahl der Exekutionen im Vergleich zu den Vorjahren stark zurück. Hauptgrund für den Rückgang waren Gesetzesänderungen bei Privatinsolvenzen. Im ersten Quartal dieses Jahres lag die Zahl bei 3545 und im dritten Quartal bei 4782. Im Vorjahresvergleich gingen im dritten Quartal 2019 um 22,55% mehr Schuldner in Konkurs als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Gegenüber dem letzten Quartal des Vorjahres mit 3600 Privatinsolvenzen sind dies jedoch um 1,53% weniger. Ein Abwärtstrend ist daher für das nächste Jahr auch zu erwarten.

ENTWICKLUNG DER ANZAHL DER PRIVATINSOLVENZEN (Quelle: CRIF)

„In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden 12665 Privatinsolvenzen angemeldet. Im Oktober waren es ab Januar 2019 mehr als im gesamten Vorjahr, im dem 13848 Privatinsolvenzen angemeldet wurden. Im Allgemeinen gilt, dass mehr Männer als Frauen die Privatinsolvenz anmelden. Vierzigjährige sind in Bezug auf das Alter am häufigsten vertreten, aber im März 2019 gab es in der Altersgruppe der 70-Jährigen deutlich mehr Frauen als Männer.“

– Hauptanalystin CRIF, Jana Marková

Bevor die frühere Justizministerin Lucia Žitňanská das Gesetz über Insolvenz und Restrukturierung in Mittelpunkt stellte, war die Möglichkeit einer Privatinsolvenz für normale Menschen nahezu unerreichbar. Vor der Existenz dieser Novelle, gab es keine wirklichen Statistiken, um vorherzusagen, welches Interesse es geben wird. Derzeit kann jedoch jede natürliche Person ausnahmslos eine Entschuldung beantragen. Der Schuldenerlass erfolgt im Moment des Inkrafttretens des Insolvenzbeschlusses oder eines Beschlusses zur Festlegung des Ratenkalenders, in dem das Gericht den Schuldner die Schulden erlässt.

Es geht auch einfacher

Jeder insolvente Schuldner, der eine natürliche Person, ein Unternehmer oder ein Nichtunternehmer ist, hat das Recht, die Begleichung seiner Schulden durch Konkurs oder Ratenkalender zu beantragen. Mit der Schuldenerlass-Firma drohen keine falschen Versprechungen, aber Sie können auf das versprochene Ergebnis zählen. Der Schuldner kann sich telefonisch oder persönlich an die zuständige Stelle wenden, um Informationen über die Möglichkeit eines Schuldenerlasses zu erhalten. Er wird innerhalb von 24 Stunden telefonisch kontaktiert und er kann sich im nächstgelegenen Büro des Schuldenerlass-Spezialisten ein Termin bestellen.

Dem Kunden wird der gesamte Prozess des Schuldenerlasses vorgestellt. Er schließt mit dem Spezialisten einen Auftrag zur Beurteilung seiner Vermögens- und Finanzlage ab und prüft, ob er alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Anschließend erhält er innerhalb von 7 Tagen eine Stellungnahme und einen Lösungsvorschlag. Nach seiner Weiterleitung ist dem Kunden eine vom Gericht genehmigte Privatinsolvenz garantiert. Gleichzeitig erhält er einen Privatinsolvenzantrag mit allen Anhängen. Der unterschriebene Antrag wird im Namen des Kunden an das Rechtshilfezentrum geschickt. Während des gesamten Schuldenerlassprozesses wird der Kunde kontrolliert, bis die Schulden vollständig erlassen sind.

Auch Anwälte leiden unter Schulden

Die Vorstellung, dass nur die finanziellen Analphabeten Schuldner sind, ist falsch. Kunden sind unter anderem ehemalige erfolgreiche Unternehmer, auch Rechtsanwälte, Insolvenzverwalter und Börsenmakler. Fälle von Sekundärinsolvenzen sind ebenfalls häufig. Gewerbetreibende sind nicht in der Lage, ihre Schulden gegenüber Versicherungsanstalten zu zahlen, und haben daher Darlehen aufgenommen, die sich nicht zurückzahlen konnten.

„Der Grund für die Privatinsolvenz ist in erster Linie die hohe Verschuldung, wenn man die Rückzahlungsmöglichkeiten falsch eingeschätzt oder in Zeiten des Wohlstands zu viele Kredite aufgenommen hat. Ein weiterer Grund ist, dass der Schuldner keine Ersparnisse hat, mit denen er bei Verlust oder Senkung seines Einkommens seine Schulden zurückzahlen könnte. Und nicht zuletzt kann eine Person durch Einkommensverluste, die zum Beispiel durch Langzeitarbeitslosigkeit oder gesundheitliche Probleme verursacht werden, bankrottgehen.“

– Analystin der Postbank, Jana Glasová

Ein alter Vollstreckungsbefehl kann ausgesetzt werden, wenn der Schuldner oder Treunehmer ohne Rechtsnachfolger wegfallen wurde und die Exekution vor dem 01. April 2017 begonnen hat. Ob der Treunehmer eine natürliche Person, eine Firma oder Staat ist, ist bei Beendigung der alten Exekution nicht entscheidend. Sie kann auch auf Vorschlag des Traunehmers eingestellt werden. Gleichzeitig ist er im Zusammenhang mit der Beendigung der alten Exekution nur zur Zahlung der pauschalen Kosten des Exekutors verpflichtet.

Ob die Absicht des Gesetzgebers, Schuldnern die Befreiung von ihren Schulden zu ermöglichen und sie dadurch zu einem ordentlichen Leben zu motivieren erfüllt wird, wird nur die angewandte Praxis des Insolvenzgerichtes zeigen, wie sie auf die einzelnen Vorschläge eingehen und auch die Aktivität der Schuldner.