Die Mobilität der Arbeitskräfte ist einer der grundlegenden Ausgangspunkte der strukturellen Arbeitslosigkeit, was auf eine hohe Zahl von offenen Arbeitsstellen hinweisen kann zu einer Zeit, in der es eine große Anzahl arbeitsloser Arbeitnehmer gibt. Allerdings kann sich die hohe Arbeitslosigkeit im Allgemeinen negativ auf die Arbeitskräftemobilität auswirken, da die Menschen zunehmend besorgt und unsicher sind, ob sie einen neuen Arbeitsplatz finden oder ihren derzeitigen Arbeitsplatz behalten.

Demografische Prognosen deuten darauf hin, dass in der ersten Dekade im Jahr 2020 der Arbeitsmarkt fast um 10 Millionen Arbeitnehmer schrumpfen sollte, und sogar 86% der Arbeitgeber geben derzeit an, Probleme mit der Besetzung von Arbeitsstellen zu haben. Die Beschäftigungsquote hängt in hohem Maße von der Verfügbarkeit der Arbeitskräfte ab, die eine langfristige erfolgreiche Durchsetzung am Arbeitsmarkt ermöglicht. Die Arbeitgeber erwarten daher immer mehr von den Arbeitnehmern und ziehen Flexibilität und Lernbereitschaft einer engen Spezialisierung vor.

Die Unternehmen werden sich an die Situation auf dem Arbeitsmarkt anpassen

Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften wird zu einer Bedrohung für das Unternehmenswachstum. Eines der Ziele der Nationalen Beschäftigungsstrategie der Slowakischen Republik (Europa 2020) ist, dass im nächsten Jahr mindestens 40% der erwerbstätigen Bevölkerung im Alter von 30 bis 34 Jahren eine tertiäre Ausbildung erreichen sollte. In diesem Bereich hinken die neuen EU-Mitgliedstaaten den alten Mitgliedstaaten deutlich hinterher (10 Länder haben das Ziel erreicht, aus den neuen waren es nur Estland, Litauen und Zypern). In der Slowakei haben 22,1% der Erwerbstätigen im Jahr 2010 eine tertiäre Ausbildung abgeschlossen, 15,1% im Jahr 2016 (in der Tschechischen Republik 20,4% im 2010, 18,9% im Jahr 2016).

Quelle: eurostat.sk

Die Steigerung der tertiären Ausbildung führt häufig dazu, dass Arbeitsplätze von mehr qualifizierten Arbeitnehmern als erforderlich besetzt werden. Ein ungünstiges Phänomen der zunehmenden Zahl von tertiären Bildungsinstitutionen ist ihre Qualität. Die Institutionen bringen zunehmend Absolventen der allgemeinen Bildung hervor, die für die Besetzung von Arbeitsstellen mit notwendiger Fachausbildung nicht geeignet sind. Die Verantwortung für die Sicherstellung der erforderlichen Ausbildung und die Erlangung der beruflichen Fähigkeiten der Arbeitnehmer geht dann auf die Arbeitgeber über.

„Es ist wichtig, das Bildungssystem so einzustellen, dass die Voraussetzungen für die Bereitstellung qualifizierten Personals kontinuierlich und langfristig geschaffen werden. Wenn sich das Interesse des Staates nicht in echte Taten verwandelt, wird das Potenzial für die Wettbewerbsfähigkeit der Slowakischen Republik in gefährlicher Weise sinken.“

– Präsident des Verbandes der Automobilindustrie

Es wird weiterhin davon ausgegangen, dass sich die Unternehmen aufgrund des Personalmangels an die Situation auf dem Arbeitsmarkt anpassen werden. Sie werden eher bereit sein, bestimmten Anforderungen entgegen zu kommen, um einen guten Mitarbeiter zu finden, und gleichzeitig bereit sein, von ihren Anforderungen nachzulassen. Es wird auch davon ausgegangen, dass das Auswahlverfahren einfacher sein sollte. So werden Unternehmen weniger streng sein, was sie von einem zukünftigen Mitarbeiter erwarten, die Bewerber werden weniger getestet und daher wird es weniger Auswahlrunden geben. Dies gilt natürlich nicht generell, aber einer Umfrage zufolge hat fast die Hälfte der Unternehmen bereits begonnen, Ihre Bildungs- oder Berufserfahrungsanforderungen zu umwerten und eher Schulungen anzubieten.

Die Mobilität der Arbeitskräfte wird sich auch auf wirtschaftliche und politische Aspekte auswirken

Es wird erwartet, dass der Mangel an erfahrenen Arbeitskräften das Wirtschaftswachstum und die Prosperität beeinträchtigen wird. Der Erhalt hochqualifizierter Arbeitskräfte wird zu einer strategischen Schlüsselaufgabe, um das Wirtschaftswachstum sicherzustellen. Um den Lebensstandard in der Europäischen Union weiterhin aufrechtzuerhalten, ist es notwendig, die Beschäftigung in allen Altersgruppen und die Arbeitsproduktivität zu steigern und auch über eine Verlängerung der Arbeitszeit nachzudenken. Die Erhöhung des Lebensstandards der Bevölkerung und die Schaffung haltbarer Arbeitsplätze sind auch eine Voraussetzung für die weitere Entwicklung der Wirtschaft im nächsten Jahr, wodurch Hindernisse für das Wachstum der Arbeitslosigkeit beseitigt werden sollten. Ziel ist es, die Beteiligung weniger vertretener Arbeitnehmergruppen am Arbeitsmarkt zu verbessern.

„Der wichtigste Wettbewerbsvorteil der Slowakei auf dem globalen Markt sind die sehr niedrigen Kosten der Arbeitskraft in Verbindung mit der hohen Verfügbarkeit hochqualifizierter Mitarbeiter. Dies macht die Slowakei zu einem attraktiven Land für westeuropäische Investoren.“

– Manpower Marketing Manager

Die geringe Mobilität der einheimischen Arbeitskräfte in Verbindung mit dem Fachkräftemangel zwingt die Unternehmen zur Suche nach Arbeitskräften im Ausland. Die Ankunft ausländischer Studenten ist eine der ersten Möglichkeiten, durch geregelte Mobilität Arbeitskräfte in das Land zu bringen. Dies ist einer der Gründe, warum die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte in der letzten Zeit um mehrere zehn Prozent zugenommen hat und die Zahl der einheimischen Langzeitarbeitslosen wird größer. Eine deutlich positive Wirtschaftslage mindert somit die Motivation der Menschen, ins Ausland zu gehen und umgekehrt.

Ein Teil des Ausmaßes der Vertiefung von Ungleichgewichten auf dem Arbeitsmarkt ist auf demotivierend eingestellte Sozialgaben, ethnische Besonderheiten einiger Regionen der Slowakei und verzerrte Wertorientierungen der Bürger zurückzuführen. Einer der wesentlichen Faktoren für Arbeitsmarktprobleme ist das die wirtschaftlichen Bedingungen für eine langfristige Zunahme der Anzahl neuer, produktiver und erloschener Arbeitsplätze nicht erschaffen werden. Ziel der Nationalen Beschäftigungsstrategie der Slowakischen Republik ist es, bis 2030 ein gesundes Leben zu gewährleisten, die Qualität für alle Menschen unabhängig vom Alter zu verbessern, das Wirtschaftswachstum und die produktive Beschäftigung zu fördern und einen dauerhaft erhaltbaren Konsum und Produktion sicherzustellen.

Wir können die digitale Wirtschaft in Zeiten der Globalisierung nicht meiden

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geht davon aus, dass in zwei Jahrzehnten bis zu 30% der Arbeitsplätze automatisiert werden könnten. In der benachbarten Tschechischen Republik hat die Digitalisierung der Industrie bereits begonnen. In diesem Zusammenhang wird die Unterstützung von Wissenschaft und Forschung in schnell entwickelnden Technologien wie künstlicher Intelligenz, Höchstleistungscomputer (HPC) oder beispielsweise Blockchain (dynamisch kodierte Datenbank) von wichtiger Bedeutung. Viele Umfragen zeigen jedoch, dass es derzeit zwei Hauptbesorgnisse bei den Menschen gibt: Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen und Angst, dass die künstliche Intelligenz uns total „beherrschen“ wird. Forschungen zufolge wird künstliche Intelligenz in den nächsten zehn Jahren bis zu 70% der Arbeitsplätze in der Slowakei erheblich verändern.

„Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung werden bis zu 50% der heutigen Schüler in Positionen arbeiten, die es noch nicht gibt oder die sich erheblich ändern werden. Wir gehören zu den Ländern, die am stärksten von der Entwicklung neuer Technologien betroffen sein werden.“

– Microsoft – Generaldirektor Rudolf Urbánek

Die große Annahme ist, dass der Arbeitsmarkt nach 2020 den Schwerpunkt auf Innovationen und Personalisierung der Produkte legen wird. Von dem Modell, das auf der Loyalität und Unternehmenszugehörigkeit interner Mitarbeiter basiert, wird man zu externen Spezialistenteams wechseln, mit Erfahrungen, die für die Durchführung ihrer Projekte erforderlich sind. Zunehmende Betonung wird auf kurzfristige Projekte gelegt, anstatt langfristig bei einem Arbeitgeber zu arbeiten. Die Menschen werden von dem Wunsch geleitet, ihre Arbeit gut zu machen, und werden durch Selbstorganisation fähig sein ein gemeinsames Ziel erreichen. Es besteht auch die Gefahr eines Übergangs von traditionellem Modell der Führung von oben nach unten zum Modell von unten nach oben. Die Manager werden daher nicht wie heute fester Bestandteil der Projekte sein, sondern sie werden nur in bestimmten Phasen der Projekte anwesend sein. Der Erfolg von Führungskräften wird man anhand der Fähigkeiten messen, wie Beziehungen aufzubauen, Probleme effektiv auskommunizieren und innerhalb der Teams zu lösen. Wettbewerbsfähigkeit wird in Zukunft der Schlüssel zum Erfolg sein.

Die Arbeitsagentur spielt auf dem Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle. So haben Arbeitsuchende (auch aus anderen Ländern) die Möglichkeit, ein Arbeitsvermittlungsabkommen mit ihnen zu unterzeichnen, welche sich auf eine bestimmte Branche oder einen bestimmten Beruf spezialisieren. Die Mobilität der Arbeitskräfte wird auch in ihrem Namen gefördert, mit dem Ziel das Jugendarbeitslosigkeitsproblem zu lösen und den Arbeitgebern zu helfen, die Fähigkeiten zu finden, die sie suchen, aber auf dem lokalen Arbeitsmarkt nicht finden können.